Frage: "Herr Vater, für Ihre diesjährige Ausstellung zur Museumsnacht haben Sie den Titel gewählt: „Artgerecht - Roots & Dreams".
Das erinnert an artgerechte Tierhaltung, Hühner-KZ´s usw. Was hat es damit auf sich?"
PV: Der zivilisierte Mensch lebt heute nicht
mehr artgerecht. Wir genießen Angenehmlichkeiten wie die Zentralheizung, das Handy, das Auto usw. und Einschränkungen und Nachteile,
die mit unserer Überzivilisierung zu tun haben.
Frage: "Aber Sie wollen doch nicht zurück in die Steinzeit?"
PV: Natürlich nicht.
Aber schauen Sie mal, ein Mensch in einem superteuren Luxusfahrzeug ist nun mal nicht glücklicher, als einer in seinem alten Kleinwagen.
Man kann sich auch des Einducks nicht erwehren, daß Menschen, die näher an der Natur leben, als wir, glücklicher sind.
Natürlich müßen
die Grundbedürfnisse nach Nahrung, Dach über dem Kopf , Sicherheit usw. gewährleistet sein.
Aber es ist wohl unübersehbar, daß wir
es damit gewaltig übertreiben, daß sich Zivilisation und Fortschritt, die das Leben lebenswerter machen sollten, mehr und mehr gegen
uns und noch mehr gegen die anderen Lebewesen wendet, die neben uns diesen Planeten bevölkern. Unsere nicht „artgerechte" Lebensweise
hat viele unerwünschte Nebenwirkungen, Zivilisationskrankheiten, psychische Störungen, Umweltzerstörung, Reizüberflutung, eine ungesunde
Beschleunigung der Lebensrythmus, zunehmende Unfähigkeit „In sich selbst zu ruhen" usw. und es stellt sich die Frage, ob es nicht
sinnvoll ist, wieder mehr zu den Wurzeln des Mensch-Seins und Seins zurück zu kehren.
Frage: "Was geht Sie das alles als Künstler
an?"
PV: Meine Aufgabe und Chance als Künstler ist es, gesellschaftliche Entwicklungen und Fehlentwicklungen zu spiegeln, dies nicht
im Stile eines Wissenschaftlers, der rational begründbare Argumente vorzubringen hat, um sich Gehör zu verschaffen, sondern sozusagen
mehr „aus dem Bauch raus".
Einerseits mache ich meine Skulpturen, weil mir das einfach Spaß macht und weil da einfach was raus muß.
Andererseits lässt es sich gar nicht vermeiden, eine Botschaft rüber zu bringen, ganz egal, ob ich das nun will oder nicht. Ein Kunstwerk
ist immer und unvermeidlich ein Medium. Und wenn das schon so ist, will ich mir dessen auch bewußt sein. Und deshalb frage ich mich
schon mal: Was klingt da in mir an, wenn ich das mache und wie kommt das rüber und was bewirkt das beim Betrachter?
Frage: "Und
was wollen Sie bewirken?"
PV: Na, bewußt erst mal gar nichts. Während des anfänglichen Entstehungsprozesses ist mir das in aller Regel
erst mal egal, der Gedanke wäre mir oft sogar eher hinderlich. Aber ich reflektiere nun mal auch, wenn ich vor der Arbeit stehe, zurücktrete
und mir das Stück ansehe, was da bei mir passiert ist und was das mit mir und der Welt um mich herum zu tun hat. In dem Zusammenhang
ist dieses aktuelle Ausstellungsthema „Artgerecht" zu verstehen. Und in dem Zusammenhang ist es auch kein Zufall, daß ich mit Fundstücken
und Wurzeln arbeite, daß eine Arbeit in der Regel damit beginnt, daß mich etwas anspricht, was ich einfach so finde, daß ich es aus
der Natur hole, dessen Schönheit und Individualität erfasse und dann in einem zweiten Arbeitsschritt weiß, was da noch fehlt.
Und das mache ich dann, zumeist aus Ton, brenne es später und verbinde es mit dem Fundstück zu einer Einheit.
Der unübertroffene Künstler
auf dieser Welt ist die Natur, wir sollten uns ihrer bedienen, um wieder mehr zum Wesentlichen zurück zu finden. In der Betrachtung
und Herstellung von Objekten, die direkt aus dem natürlichen Prozess des ewigen Wandels aller Erscheinungen entlehnt sind, ist es
möglich, dort und in uns selbst etwas zu erahnen, was verloren zu gehen droht, wenn wir nicht mehr „artgerecht" leben.
Herr
Vater, ich danke Ihnen, wünsche Ihnen viel Erfolg und Freude und hoffe, daß wir noch viel von Ihnen zu sehen bekommen.
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